Fahrerloser LKW in einer Molkerei

Fahrerloser LKW für den innerbetr. Transport in einer Molkerei

Lehrte, 09. November 2012 — Immer häufiger sind Unternehmen auf der Suche nach einem Transportmittel für den innerbetrieblichen Warentransport mit einem Plus an Zuverlässigkeit, Sicherheit und Effizienz. Für diese Unternehmen hat die Götting KG fahrerlos arbeitende LKW entwickelt. Als fahrerloses Transportfahrzeug auf Basis eines Seriennutzfahrzeuges ermöglichen diese LKW den vollkommen automatischen Transport von Waren.

Die Heideblume Molkerei Elsdorf-Rotenburg AG errichtete 2011 ein neues Logistikzentrum mit Hochregallager, Breitganglager, Versand und Kommissionierung. Zur Steigerung der Umschlagsgeschwindigkeit und der Wirtschaftlichkeit wurden die Logistikprozesse weitgehend automatisiert. Seit 2012 transportiert ein vollautomatischer LKW (KAMAG TruckWiesel) Verpackungsmaterial auf Euro- und Industriepaletten mit bis zu 1.000 kg vom Logistikzentrum zum Produktionsgebäude. Für den Rückweg werden Paletten mit frischen Fertigprodukten in den LKW geladen und ins Logistikzentrum gefahren. Dort steht ein gekühltes Hochregallager für die Molkereiprodukte zur Verfügung. Der Shuttle-Verkehr zwischen den verteilten Gebäuden auf dem Betriebsgelände konnte somit automatisiert werden.

Hydrostatischer Fahrantrieb und Sicherheitseinrichtungen

Der automatisierte LKW am Verladetor

Die Basis für den fahrerlosen LKW ist ein KAMAG TruckWiesel, dessen Anforderungsprofil für Terminals und Logistikhöfe ausgelegt ist. Mit einem hydrostatischen Fahrantrieb kann der Sattelanhänger ohne Zugkraftunterbrechung vom Stand bis zur Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h im Automatikmodus gefahren werden. Bei dieser für Zugmaschinen relativ langsamen Geschwindigkeit bietet der Hydrostat eine technisch und wirtschaftlich sinnvolle Antriebsleistung und eignet sich gut für die Automatisierung. Zur Lenkung des Fahrzeugs wird ein zusätzlicher Elektromotor genutzt, der auf die Achse des vorhandenen Lenkrads wirkt. Somit sind die automatischen Lenkbewegungen durch die Drehung des Lenkrads sicht- und nachvollziehbar.

Zusätzlich zu Sicherheitseinrichtungen wie Schaltleisten und Not-Aus-Taster kontrollieren Laserscanner die Umgebung des fahrerlosen LKW und sorgen so für einen besonders hohen Schutz von Personen, Fahrzeug und Ware. Sie erkennen Hindernisse im Fahrweg und melden diese an die interne Kontrolleinheit. Das ermöglicht ein sanftes Abbremsen des LKW bis zum Stillstand und auch ein Wiederanfahren, sobald der Weg frei ist. Zur Erhöhung der Flexibilität ist zudem ein Wechsel zwischen automatischem und manuellem Betrieb des LKW zu jeder Zeit einfach möglich.

Gelenkte Hinterachse und Fördertechnik

Gelenkte Hinterachsen des Sattelanhängers

Die beiden Hinterachsen des Sattelanhängers können unabhängig von der Zugmaschine automatisch gelenkt werden. Diese zusätzliche Lenkung bietet Vorteile hinsichtlich möglicher Fahrmanöver, die für einen manuellen Fahrer nur sehr schwer auszuführen wären. Insgesamt lassen sich durch diese Technologie kleine Hüllkurven und ein exaktes Positionieren realisieren. Beim Rückwärtsfahren zum Andocken an die Laderampe können ±2 cm Toleranz reproduzierbar eingehalten werden.

Automatischer Lasttransfer mittels Stetigfördertechnik

Nach dem Andocken öffnen sich die Tore des Anhängers sowie der Laderampe automatisch und eine Überladebrücke in Form von zwei Tragkettenförderern wird abgesenkt. Anschließend werden die Paletten mittels einer auf der Ladefläche installierten Stetigfördertechnik automatisch ein- und ausgeladen. Aufgrund der durchgängigen Automatisierungslösung sind die Prozesse sehr zuverlässig.

Spurführung

Die Spurführung erfolgt nach Transpondern, die in der Fahrbahn installiert sind. Die Transponder werden mit zwei bis fünf Metern Abstand entlang einer definierten Spur in die Fahrbahnoberfläche eingebracht. Dieser Vorgang ist kostengünstig und schnell durchführbar. Unter der Zugmaschine ist ein Sensor angebracht, der die Markierungen im Boden mit einer typischen Messgenauigkeit von etwa 3 mm zur Referenzierung nutzt. Zwischen den Transpondern wird das System durch die Odometrie gestützt. Das Verfahren hat sich vielfach bewährt und ist deshalb im Außenbereich die momentan meistgenutzte Spurführungstechnologie.

Da der Betriebshof auch von anderen Verkehrsteilnehmern genutzt wird, sind für den automatischen Betrieb Sicherheitseinrichtungen obligatorisch. Als zugelassener Sensor zum Personenschutz in Hauptfahrtrichtung kommt ein Bumper mit Knickarmen und Schaltleisten zum Einsatz. Dieses System gewährleistet die geforderte Sicherheit bei allen Wettereinflüssen. Zur weiteren Erhöhung der Maschinensicherheit wurden zusätzliche berührungslose Laserscanner am Fahrzeug und am Anhänger montiert.

Serienfahrzeug und manueller Betrieb

Durch den Einsatz eines Seriennutzfahrzeugs kann zur Erhöhung der Flexibilität ein Wechsel zwischen automatischem und manuellem Betrieb des LKW zu jeder Zeit erfolgen. Dieses Konzept führt zu einer guten Akzeptanz beim Anwender, vereinfacht die Inbetriebnahme und ermöglicht die manuelle Nutzung des Fahrzeugs für Sonderfahrten, z. B. zum Betanken oder im Winter bei Glatteis. Ein weiterer Vorteil gegenüber einem Sonderfahrzeug ist das Dienstleistungsangebot zum Service und zur Wartung.

Innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln ist eine der Kernkompetenzen der Götting KG. Automatisierte Fahrzeuge der Götting KG bewegen Ihre Waren zuverlässig rund um die Uhr.

Vorteile Fahrerloser Transportfahrzeuge (FTF)

  • Bewährte Technik für hohe Zuverlässigkeit
  • Exakte Fahrzeugpositionierung auf wenige Zentimeter
  • Kontinuierliche Überwachung von Fahrzeug und Ware
  • Unfallvermeidung durch umfangreiche Sicherheitstechnik
  • Geringerer Verschleiß und verminderter Treibstoffverbrauch durch schonenden Betrieb
  • Geringere Lohnkosten – insbesondere im Mehrschichtbetrieb
  • Weltweiter Service durch Einsatz von Seriennutzfahrzeugen

Ansprechpartner: Dr.-Ing. Daniel Knopp, Vertrieb Fahrzeugautomatisierung

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  • Fahrerloser LKW für den innerbetrieblichen Verkehr bei einer Molkerei
  • Der automatisierte LKW am Verladetor
  • Gelenkte Hinterachsen des Sattelanhängers
  • Automatischer Lasttransfer mittels Stetigfördertechnik
Fahrerloser LKW für den innerbetr. Verkehr bei einer Molkerei
Automatischer Lasttransfer mittels Stetigfördertechnik
Fahrerloser LKW für den innerbetr. Verkehr bei einer Molkerei
Fahrerloser LKW für den innerbetr. Verkehr bei einer Molkerei
Fahrerloser LKW für den innerbetr. Verkehr bei einer Molkerei
Fahrerloser LKW für den innerbetr. Verkehr bei einer Molkerei
Fahrerloser LKW für den innerbetr. Verkehr bei einer Molkerei
Fahrerloser LKW für den innerbetr. Verkehr bei einer Molkerei

Über die Götting KG Stand: 02/2013

Die Götting KG , gegründet 1965, ist ein innovatives, weltweit tätiges Unternehmen mit Sitz in Lehrte bei Hannover. Sie entwickelt und produziert Funkdatenübertragungs-Systeme und Sensoren zur Spurführung von sogenannten Fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF). Nach eigener Einschätzung hat die Götting KG weltweit das umfangreichste Programm an diesen Komponenten für den Bereich FTF.

Weitere Schwerpunkte sind neben der Automatisierungs- und Fördertechnik die Verkehrstechnik, die HF-Meßtechnik, die allgemeine Funktechnik sowie kundenspezifische Entwicklungen für Automobilhersteller, Elektro- sowie die Rundfunkindustrie. Das Unternehmen beschäftigt ca. 50 Mitarbeiter. Davon sind 15 Ingenieure überwiegend in der Entwicklung tätig.

Zur Götting KG gehört die Abteilung FOX. FOX liefert Transportsysteme mit fahrerlosen Seriennutzfahrzeugen, insbesondere für den Außenbereich (LKW, Radlader, Industrieschlepper, Gabelstapler, u.ä.). Die umgerüsteten Fahrzeuge lassen sich sowohl manuell als auch automatisch nutzen. Für die Automatisierung der weltweit ersten fahrerlosen Lkw hat FOX mehrere erste Preise erhalten.